Urgency ist ein immersives, interaktives und ortsspezifisches multidisziplinäres Tanzstück, das sich mit gelebten Erfahrungen von Grenzen, Konflikt und Druck auseinandersetzt – sowohl innerhalb unseres eigenen Körpers als auch durch sozio-politische Strukturen von außen. Durch die Verbindung von zeitgenössischem Tanz, performativer Kunst und Elementen des klassischen Balletts treten sowohl männliche als auch weibliche Performer:innen en pointe auf – eine ungewöhnliche Geste, die traditionelle Ballettkonventionen irritiert und eine körperliche Sprache von Spannung, Disziplin und Instabilität einführt.
Das Stück untersucht, wie Körper Druck speichern, wie Identität durch Zugehörigkeit und Ausschluss geformt wird und wie unsichtbare Kräfte beeinflussen, wie wir uns bewegen, miteinander in Beziehung treten und existieren.
Entwickelt von Künstler:innen, deren Praxis von Erfahrungen mit Konflikten geprägt ist – darunter auch Bezüge zu mexikanisch-amerikanischen Grenzkonflikten – zeigt das Werk, wie Machtstrukturen und soziale Systeme Spuren im Körper hinterlassen und Bewegung zu einem Ausdruck gelebter Erfahrung werden lassen.
Als interaktive Erfahrung konzipiert, entfaltet sich die Performance im gesamten Raum und nicht auf einer einzelnen Bühne. Die Performer:innen bewegen sich durch und um das Publikum herum, aktivieren die gesamte Umgebung und verwandeln den Ort selbst in einen Teil der Choreografie. Das Publikum ist dabei nicht als distanzierter Beobachter positioniert, sondern als Zeug:in innerhalb der Welt des Stücks, während sich die Tänzer:innen in Echtzeit durch den Raum bewegen. Dieser ortsspezifische Ansatz macht deutlich, dass Grenzen und Systeme keine abstrakten Konzepte sind, sondern gelebte Realitäten, die uns unmittelbar betreffen.
Das Stück verbindet Live-Tanz, Motion Tracking, Projektionen und eine politisch aufgeladene Klanglandschaft in einer 360-Grad-Umgebung, präsentiert über ein räumliches Soundsystem von d&b audiotechnik, dass das Publikum aus allen Richtungen umgibt.
Das Echtzeit-Mapping von Antidote.psd erfasst die Bewegungen der Tänzer:innen und übersetzt sie in projizierte Visuals, wodurch emotionale Spannungen und innere Zustände sichtbar werden. Die Projektionen fungieren dabei nicht lediglich als Hintergrund, sondern als integraler Bestandteil der Choreografie und zeigen Muster von Kontrolle, Einschränkung und Befreiung.
Das Publikum erlebt den Körper zugleich als menschliche Präsenz und als visuelle Datenform und damit die Spannung zwischen gelebter Erfahrung und den Systemen, die versuchen, sie zu definieren oder zu überwachen.
Produziert von Leonis Works
Regie Renato De Leon
Konzept & Choreografie Dan Ozeri & Renato De Leon
In Zusammenarbeit mit Haderlump Atelier Berlin
Performer:innen
Dafni Krazoudi
Jade Albrieux
Caterina Politi
Dan Ozeri
Renato De Leon
Projections Designs & Mapping: Antidote.psd
Music Mixing & Editing: Mor Elian
Lighting Design: Marco di Nardo