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Deutsches Theater:
Urso­na­te [Wir spie­len, bis uns der Tod abholt]

Eine dadaistische Sprechoper

03.–01. Februar

03.01. 19:30
09.01. 20:00
01.02. 20:00
28.01. 19:00

Deutsches Theater Berlin Schumannstraße 13a 10117 Berlin

Eigen­wil­lig und bizarr, anar­chis­tisch und sinn­ent­leert: Col­la­gen-Kunst aus Müll, ver­win­kel­te Grot­ten, ein Alpha­bet von hin­ten, eine wuchern­de Pri­vat­woh­nung ohne Außen­welt, Non­sens-Gedich­te. Aber­witz und ad absur­dum geführ­te Kon­ven­tio­nen bis zur abso­lu­ten Sin­nen­lo­sig­keit wur­den zum Mar­ken­zei­chen des han­no­ver­schen Dada-Künst­lers, Dich­ters, Kom­po­nis­ten und Wer­be­gra­fi­kers Kurt Schwitters.

Dabei war sei­ne Kunst geprägt von den Nach­be­ben des Ers­ten Welt­kriegs, in dem sich eine unge­ahn­te Zer­stö­rungs­wut ent­fes­sel­te. Der Krieg hat­te sich vom Schlacht­feld in die Köp­fe ver­la­gert. Mit dem Krieg zer­fiel die ver­trau­te Welt in ihre Bruch­stü­cke, alle gel­ten­den Sinn­zu­sam­men­hän­ge ver­lo­ren an Bedeu­tung. Ein tief ver­wur­zel­tes Gefühl der Ori­en­tie­rungs­lo­sig­keit mach­te sich breit.

Kunst dien­te Schwit­ters als Gegen­welt zur bestehen­den bür­ger­li­chen Gesell­schaft, als skur­ri­ler Anti-Kos­mos jen­seits eta­blier­ter Logi­ken: Merz-Kunst, wie er sei­ne eige­ne Kunst bezeich­ne­te. Eine Sil­be, die er aus dem Wort der dama­li­gen Kom­merz- und Pri­vat­bank her­aus­ge­schnit­ten hat­te. Merz bedeu­te­te für ihn die Über­win­dung der Gegen­sät­ze von Welt und Kunst, Sinn und Unsinn sowie den Gren­zen zwi­schen den Künsten.
Schwit­ters arbei­te­te akri­bisch über neun Jah­re (1923 – 1932) an sei­nem Laut­ge­dicht Urso­na­te, wäh­rend um ihn her­um die Kri­sen der moder­nen Welt tob­ten. Zwar folg­te er in der Struk­tur einer klas­si­schen, vier­sät­zi­gen Sona­te, in die er aber sein ver­wil­der­tes Sprach­ma­te­ri­al ein­sor­tier­te und sie umform­te zu einer Anti-Sona­te – einer spie­le­ri­schen Dekon­struk­ti­on der bil­dungs­bür­ger­li­chen Kunst. So befrei­te Schwit­ters die ideo­lo­gisch ver­ein­nahm­te Spra­che, indem er sie auf ihre Urlau­te redu­zier­te, um alle seman­ti­schen Bezü­ge auf­zu­lö­sen und durch die Ato­mi­sie­rung der Spra­che neue Bedeu­tung schaf­fen zu kön­nen. Und auch die­se absur­de Laut­poe­sie mit Brül­len, Zischen, Krä­hen war für ihn Revol­te und Beginn von etwas Neu­em. Vive la cri­se! Oder mit den Wor­ten des Bür­ger­schrecks: Fümms bö wö tää zää Uu.

VON Kurt Schwit­ters REGIE Clau­dia Bau­er KOM­PO­SI­TI­ON Peer Baierlein