Kalender

Rundfunkchor Berlin:
Rote Mes­se

25.–26. Mai

25.5. 20 Uhr
26.5. 17 Uhr

Mahalla Wilhelminenhofstraße 76 12459 Berlin

Gioa­chi­no Ros­si­nis spät ent­stan­de­ne „Peti­te Mes­se solen­nel­le“ ist ein selt­sa­mes Stück: eine Mes­se – und damit ein lit­ur­gi­sches Stück mit christ­li­chem Inhalt –, die mit ihrer spär­li­chen Beglei­tung intim instru­men­tiert ist und damit stel­len­wei­se fast schon brü­chig daher­kommt. Und die musi­ka­lisch zudem mehr als ein­mal einen gewal­ti­gen Drall in Rich­tung Oper vor­weist – thea­tral, über­bor­dend, dop­pel­bö­dig. Kurz: Form und Inhalt schei­nen sich hier von­ein­an­der ent­fernt zu haben, bil­den kei­ne Ein­heit mehr. Oder, wie es die Regis­seu­rin Anna-Sophie Mahler, die für die­sen Abend ver­ant­wort­lich zeich­net, es im Gespräch aus­drückt: „Dass Jesus ans Kreuz gena­gelt wird, geht schon­mal in einer gut­ge­laun­ten Arie unter.“

Mahler, eine der momen­tan span­nends­ten Thea­ter- und Opernregisseur:innen Deutsch­lands, nimmt sich für ihre Insze­nie­rung in der rie­si­gen Indus­trie­hal­le des MaHal­la in Ber­lin Ros­si­nis „klei­ne Mes­se“ als Aus­gangs­punkt. Und bricht sie auf. Macht sie durch­läs­sig. Kon­tras­tiert sie mit dem, was mit aller Kraft drau­ßen blei­ben soll, damit die eige­nen Pri­vi­le­gi­en auf­recht­erhal­ten wer­den kön­nen, die Mes­se wei­ter­ge­fei­ert wer­den kann, ohne dass jemand die Par­ty stört. Sie kom­bi­niert die Mes­se dafür mit ande­ren Stü­cken wie Arnold Schön­bergs „Pier­rot lun­aire“ oder Lui­gi Dal­la­pic­co­las „Can­ti di pri­gio­nia“. Rei­bung ent­steht. Neue For­men bil­den sich aus. For­men von heu­te. Wenn man die Gegen­wart hin­ein­nimmt – die eige­ne Zeit, den eige­nen Ort –, so wird die Musik, so Mahler, „wie­der anders und neu hörbar“.