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Informationen zur Veranstaltung

  • Mi
    13
    Jul
    2016

    LUCI MIE TRADITRICI

    20:00

    Saatsoper im Schillertheater, Bismarckstr. 110, Berlin-Charlottenburg

    Oper in zwei Akten von Salvatore Sciarrino Text von Salvatore Sciarrino nach Giacinto Andrea Cicognini

    »Was ist aus dem schönen Auge geworden, das meine Seele einst erhellte mit seinen Strahlen, in dem Amor seine Pfeile wiederfand, seine Flammen und Spitzen? Was aus dem Mund nun und dem zierlichen Lächeln, was aus dieser Rede, mit dem meine Herrin den Ungezähmtesten in Liebe fing?« Diese Zeilen aus einer Liebeselegie Pierre de Ronsards eröffnen Salvatore Sciarrinos Oper »Luci mie traditrici« und sprechen gleich zu Beginn vom Kern der Geschichte und gleichzeitig von viel mehr. Geht es bei Ronsard um den tatsächlich physischen Verlust der Geliebten, wird in Sciarrinos Werk der Verlust der Liebe oder zumindest deren Metamorphose beschrieben. Basierend auf dem Drama »Il tradimento per l’onore« von Giacinto Andrea Cicognini erzählt der Komponist vom höchstsensiblen Grafen Malaspina, der die Untreue seiner Gattin nur durch den Mord an ihrem Liebhaber (und vermutlich auch ihr selber) überwinden kann und dies gleichzeitig als konsequente Transformation seines Liebesbegriffes rationalisiert. Anders als bei der Vorlage von 1664 geht es bei Sciarrino nicht um die Wiederherstellung eines vermeintlichen Ehrbegriffes, sondern um die exzessive Durchführung einer Liebespassion. So ist auch am Schluss keinerlei Befriedigung bei Malaspina zu spüren, wenn nach getaner Tat sein abschließender Satz: »Lebt wohl, ich werde auf ewig in Qualen leben« lautet. Bekanntermaßen ist Salvatore Sciarrino ein ausgesprochener Kenner des Werks Gesualdo de Venosas, von dessen Madrigalen er etliche bearbeitet hat. Dieser Komponist war lange Zeit vor allem durch ein Kapitalverbrechen, bei dem er seine Frau und ihren Liebhaber umgebracht hat, bekannt. Auch Cicogninis Drama basiert sicherlich auf diesem skandalösen Mordfall. Sciarrinos Oper verzichtet aber mit gutem Grund auf einen direkten biographischen Bezug, wie er auch der Versuchung widersteht, eine »Sex-and-Crime- Story« zu erzählen. Die Musik ist äußerst fragil und reflektiert damit unmittelbar die zerbrechliche Konstitution und vor allem Konfiguration der Protagonisten. Sie ist in jedem Moment seltsam und fremdartig, dabei von beinahe körperlicher Unmittelbarkeit und dies bisweilen so stark, dass man den Eindruck gewinnt, man würde einen mikroskopischen Blick in die Nervenbahnen der Bühnenfiguren werfen. Dabei entstehen musikalische Psychograme, die zeigen, wie Liebe als Leidenschaft zum Leiden an der Liebe wird. Mit »Luci mie traditrici« setzt die Staatsoper ihre Beschäftigung der letzten Jahre mit dem Musiktheaterwerk des italienischen Komponisten auch in dieser Spielzeit fort. Die bisher bekannteste Oper Sciarrinos wird nun auf der großen Bühne des Schiller Theaters im Rahmen von INFEKTION! zu sehen sein.

     

    MUSIKALISCHE LEITUNG: David Robert Coleman
    INSZENIERUNG: Jürgen Flimm
    BÜHNENBILD: Annette Murschetz
    KOSTÜME: Birgit Wentsch
    LICHT: Irene Selka
    DRAMATURGIE: Detlef Giese

     

    LA MALASPINA: Katharina Kammerloher
    IL MALASPINA: Otto Katzameier
    L’OSPITE | VOCE: Lena Haselmann